Gesellschaft für Thrombose-
und Hämostaseforschung

Stabsstelle Leitlinien

Konsequent interdisziplinär –
die GTH engagiert sich künftig stärker für Leitlinien

In der Sitzung des GTH-Vorstandes am 22. März 2011 formulierte der Vorstand das
Ziel, dass sich die GTH künftig stärker in der Erstellung von Leitlinien engagiert. Dazu
wurde die Stabsstelle eines Leitlinien- und Standardisierungsbeauftragten unter der
Leitung von Herrn Prof. Dr. Michael Spannagl
aus München eingerichtet.

Im folgenden Interview lesen Sie, welche Schwerpunkte Herr Spannagl in seiner neuen Tätigkeit setzen wird (hier finden Sie das  [pdf]Interview (38.3 KB)auch als PDF).

Herr Professor Spannagl, als erster Leiter der neuen Stabsstelle sind Sie quasi als Pionier tätig. Wie werden Sie Ihre Tätigkeit gestalten? Was sind Ihre Prioritäten?

Die GTH ist eine wirklich interdisziplinäre Fachgesellschaft. Daher ist es eine große Herausforderung, an diesen Schnittstellen für Standardisierung und Leitlinien tätig zu sein. Die Verbindung der klinischen Fächer mit der Grundlagenforschung in unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft bietet dafür hervorragende Voraussetzungen. Dazu kommt, dass ich meine langjährige Erfahrung als Sekretär der GTH nutzen kann.

Worauf können Sie aufbauen?

In der medizinischen Laboratoriumsdiagnostik bin ich seit Jahren für die externe Qualitätssicherung der hämostaseologischen Diagnostik aktiv, seit dem Jahreswechsel auch als Vorstandsvorsitzender der deutschen Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien (INSTAND e.V.). Bei der Entwicklung von klinischen Leitlinien war ich beteiligt an den Dokumenten zur Prophylaxe, zur Diagnostik und zur Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. Wie die meisten Leitlinien in Deutschland wurden diese unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaft (AWMF) erstellt. Eine Sonderrolle spielen die Leitlinien zur Hämotherapie, da sie im Auftrag der Bundesärztekammer entwickelt werden.
Hier habe ich vor allem an Kapiteln zu den Plasmaprodukten mitgewirkt.

All diese Aktivitäten im Hintergrund, kann ich nun gezielt für die Anliegen der GTH sorgen, sowohl in der hämostaseologischen Laboratoriumsdiagnostik als auch in der klinischen Anwendung. Eine ganz wichtige Herausforderung ist dabei die sinnvolle Verknüpfung der Labormethoden und der klinischen Therapie zum Nutzen unserer Patienten. Durch meine Erfahrung bei der Erstellung von internationalen Standardisierungsdokumenten (CEN und DIN) können auch internationale Kontakte genutzt werden. Selbstverständlich benötigt die GTH wie bisher die Mitarbeit engagierter Kolleginnen und Kollegen in diesen Gremien. Dafür jetzt auch gezielt Ressourcen der GTH einsetzen zu können, ist eine prima Sache.

Plant die GTH vorrangig die verstärkte Beteiligung an Leitlinien anderer Fachgesellschaften oder steht die Erstellung „facheigener" Leitlinien im Vordergrund?

Beides wollen wir konsequent weiterentwickeln. Einige Mitglieder der GTH sind mit unseren Nachbargesellschaften für Angiologie (DGA) und Transfusionsmedizin (DGTI) bereits sehr erfolgreich an der Erstellung von Leitlinien beteiligt. Ohne diese engagierten Kolleginnen und Kollegen kann es keine weitere Entwicklung geben. Dazu kommen neue Aktivitäten, die von der GTH ausgehen werden.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit der diversen Fachrichtungen im GTH-Raum Deutschland – Österreich – Schweiz?

Die GTH ist in sich schon sehr interdisziplinär und darüber hinaus mit vielen anderen Fachgesellschaften aktiv verbunden. Dass diese Zusammenarbeit erfolgreich ist, haben wir zuletzt am Beispiel der perioperativen Führung von Patienten unter Therapie mit Thrombozytenhemmstoffen gesehen: Professor Korte aus St. Gallen hat hier gemeinsam mit Beteiligten aus allen GTH-Ländern die Erstellung eines Konsensdokuments vorangetrieben, das gerade in Thrombosis & Haemostasis veröffentlicht wurde.

Ein anderes wichtiges Projekt hat Frau Professorin Lindhoff-Last bereits auf Beschluss der GTH-Mitgliederversammlung in Angriff genommen: die Erstellung einer S2-Leitlinie „Thrombophiliediagnostik" unter dem Dach der AWMF und der Federführung der GTH.

Ein neues, brisantes Thema hat in den letzten Wochen unser Vorsitzender Professor Bode für die GTH definiert: Die neuen direkten oralen Antikoagulanzien stellen im periinterventionellen Management eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere deren Wirkung auf die hämostaseologischen Globalteste wird viel diskutiert. Hier sollte die Interdisziplinarität der GTH eine starke Kraft zur baldigen Erstellung eines zweckdienlichen Dokuments sein.

Leitlinien sind in aller Munde, werden aber auch kritisiert. Welche praktische Bedeutung messen Sie persönlich Leitlinien zu?

Leitlinien, Standards und Konsensdokumente stellen immer nur die nötigen Eckpunkte für das ärztliche Handeln dar. Diese können nur Evidenz-basiert sein.
Genauso wichtig ist freilich, dass dazwischen genug Freiraum für ärztliches Handeln und für die individuelle Interaktion zwischen Arzt und Patienten verbleibt.

Die Fragen stellten Tanja Altreiter, Wien, und Andreas Tiede, Hannover.

KONTAKTINFORMATIONEN:
Prof. Dr. med. Michael Spannagl
KLINIKUM der Universität München
[pdf]Lebenslauf Prof. Dr. med. Michael Spannagl (506.2 KB)

- Hämostaseologie
Ziemssenstr. 1, D-80336 München
Tel.: +49(0) 89 5160-2286, Fax: +49(0) 89 5160-2148

- Immungenetik /Molekulare Diagnostik
Max-Lebsche-Platz 32, D-81377 München
Tel.: +49(0)89 7095-4400, Fax: +49(0) 89 7095-4416

INSTAND e. V. Düsseldorf
Ubierstr. 20, D-40223 Düsseldorf
Tel.: +49(0)211 159213-15, Fax: +49(0)211 159213-32

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